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„Der Landtag sind wir!“

Schüler der Berufsschule St. Marien machen Politik

„Der Landtag sind wir!" – nach diesem Motto schlüpften etwa 40 SchülerInnen der Berufsschule St. Marien in Ettmannsdorf im gleichnamigen Planspiel in die Rolle von Landtagsabgeordneten und diskutierten über das Thema Verbraucherschutz. Anstelle eines regulären Unterrichtes fanden einen Tag lang Fraktionssitzungen, Ausschussarbeit und Lesungen statt.

Die Klassenzimmer der Berufsschule St. Marien verwandelten sich in die Räumlichkeiten des Bayerischen Landtags, damit dort die BerufsschülerInnen aus den Berufsvorbereitungsjahren (BVJ) an dem Planspielangebot teilnehmen konnten. Das Projekt wurde von Honorarkräften der Forschungsgruppe Jugend und Europa durchgeführt. Die FGJE ist Teil des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP) an der Universität München und hat das Planspiel „Der Landtag sind wir!" im Auftrag des Bayerischen Landtags entwickelt.

Nach einer Einführungsphase verteilten sich die Jugendlichen auf vier politische Lager: die Konservativen, die Sozialen, die Liberalen und die Ökologen. Dies entspricht zwar nicht exakt den sechs vertretenen Fraktionen im aktuellen Landtag, allerdings hat sich diese Reduktion auf lediglich vier Richtungen nach Aussage der Honorarkräfte aus organisatorischen Gründen als sinnvoll erwiesen.

Der zuvor gewählte Landtagspräsident las den Gesetzesentwurf vor und direkt im Anschluss begannen die ersten simulierten Fraktionssitzungen. Die NachwuchspolitikerInnen wählten ihre Fraktionsvorsitzenden und diskutierten leidenschaftlich über den Gesetzesentwurf zur Stärkung des Verbraucherschutzes in Bayern. Konkret ging es um Fragen wie: Brauchen wir mehr Lebensmittelkontrolleure? Sollte es bei Verstößen gegen die Sauberkeit von Lebensmitteln in Zukunft höhere Geldstrafen geben? Sollten die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen im Internet veröffentlich werden? Dabei entwickelten sich leidenschaftliche und zum Teil auch kontroverse Diskussionen, die aber immer in einem fairen und konstruktiven Rahmen abliefen. Mit den verschiedenen Änderungsanträgen ihrer jeweiligen Fraktion verteilten sich die jugendlichen Landtagsabgeordneten auf einen federführenden sowie zwei beratende Ausschüsse und erarbeiteten nach zähen Verhandlungen und hitzigen Debatten eine schriftliche Beschlussempfehlung. Diese wurde nochmals kurz in den einzelnen Fraktionen diskutiert und zugleich feilten die Fraktionsvorsitzenden an ihren abschließenden Reden.

Nach vier Stunden intensiver Arbeit konnte der veränderte Gesetzesentwurf bei der abschließenden Abstimmung im Plenum schließlich eine deutliche Mehrheit erzielen. Insgesamt vermittelte das Planspiel den beteiligten SchülerInnen eine sehr realistische Erfahrung über den beruflichen Alltag eines Politikers.

Leider musste das geplante abschließende Gespräch mit verschiedenen Landtagsabgeordneten aus der Region entfallen, da an diesem Tag keiner der Abgeordneten einen Platz im Terminkalender gehabt hatte. Stattdessen konnten die Jugendlichen noch Fragen an die Honorarkräfte richten: Wie wird man Abgeordneter? Wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Abgeordneten aus? Wie können wir uns selbst politisch engagieren? Neben den Antworten wurden die SchülerInnen noch dazu ermuntert, sich über politische Themen zu informieren und auch mal Kontakt zu den Politikern in der Region aufzunehmen.